RtoP in der Diskussion

Be­richt zur Po­di­ums­dis­kus­si­on: "Re­s­pon­si­bi­li­ty to Pro­tect - Wel­chen Bei­trag kann (und will) Deutsch­land für die Schutz­ver­ant­wor­tung leis­ten?"

 

 31.05.2012

 

Am 10. Mai 2012 or­ga­ni­sier­te Ge­no­ci­de Alert e.V. in Zu­sam­men­ar­beit mit der In­ter­na­tio­nal Co­ali­ti­on for the Re­s­pon­si­bi­li­ty to Pro­tect (ICRtoP) ei­ne Po­di­ums­dis­kus­si­on im Haus der De­mo­kra­tie und Men­schen­rech­te in Ber­lin zum The­ma „Re­s­pon­si­bi­li­ty to Pro­tect: Wel­chen Bei­trag kann (und will) Deutsch­land für die Schutz­ver­ant­wor­tung leis­ten?". Bei der gut be­such­ten Ver­an­stal­tung, die Po­li­tik, Bü­ro­kra­tie, Wis­sen­schaft und Zi­vil­ge­sell­schaft zu­sam­men­brach­te, wur­den zen­tra­le Fra­gen zur bis­he­ri­gen Un­ter­stüt­zung und Um­set­zung des Kon­zepts der Schutz­ver­ant­wor­tung durch Deutsch­land so­wie die kon­kre­te An­wen­dung der RtoP in Li­by­en und Sy­ri­en de­bat­tiert.

 

Foto Podiumsdiskussion 

Po­di­ums­teil­neh­mer Wolf­gang Sei­bel, Wen­zel Mi­ch­al­ski, Her­mann Ni­co­lai, Thors­ten Ben­ner und Ro­bert Schüt­te

(nicht im Bild: Ma­ri­na Schus­ter)

 

In­sti­tu­tio­nel­le Ver­an­ke­rung der Schutz­ver­ant­wor­tung im Aus­wär­ti­gen Amt

 

Der Mo­dera­tor der Ver­an­stal­tung, Wen­zel Mi­ch­al­ski, Di­rek­tor von Hu­man Rights Watch Deutsch­land, stieg di­rekt in die Dis­kus­si­on ein und frag­te, wie die Schutz­ver­ant­wor­tung im Aus­wär­ti­gen Amt in­sti­tu­tio­nell ver­an­kert sei. Her­mann Ni­co­lai, Re­fe­rats­lei­ter in der VN Ab­tei­lung im Aus­wär­ti­gen Amt er­klär­te, dass sein Re­fe­rat der­zeit für die Schutz­ver­ant­wor­tung zu­stän­dig sei, da es sich un­ter an­de­rem mit kon­zep­tio­nel­len Fra­gen der Ver­ein­ten Na­tio­nen be­schäf­tig­te. Da sich seit 2005 be­züg­lich der Schutz­ver­ant­wor­tung ei­ni­ges ge­än­dert hät­te über­le­ge das Aus­wär­ti­ge Amt aber zur­zeit - an­ge­sto­ßen von der Schaf­fung des „Atro­ci­ties Preven­ti­on Board“ in den USA und der Er­nen­nung von „RtoP Fo­cal Points“ in vie­len an­de­ren Län­dern - die Ver­ant­wort­lich­keit für die Schutz­ver­ant­wor­tung in ei­ne ope­ra­ti­ve­re Po­si­ti­on zu ver­le­gen. Wolf­gang Sei­bel, Pro­fes­sor für Po­li­tik- und Ver­wal­tungs­wis­sen­schaf­ten an der Uni­ver­si­tät Kon­stanz, be­schrieb die Ent­wick­lung der Be­schäf­ti­gung des Aus­wär­ti­gen Am­tes mit der Schutz­ver­ant­wor­tung als „stei­le Lern­kur­ve“. Nach der hef­ti­gen Kri­tik der Ent­schei­dung der Bun­des­re­gie­rung, sich in der zwei­ten Li­by­en­re­so­lu­ti­on 1973 im letz­ten Jahr zu ent­hal­ten, ha­be man ab Som­mer 2011 selbst in der Rhe­to­rik des Au­ßen­mi­nis­ters den Be­griff der Schutz­ver­ant­wor­tung ver­neh­men kön­nen.

 

 

 

Die deut­sche Po­si­ti­on zur „Re­s­pon­si­bi­li­ty whi­le Pro­tec­ting“

 

Be­züg­lich des drei Säu­len­kon­zep­tes der Schutz­ver­ant­wor­tung äu­ßer­te Wolf­gang Sei­bel die Ver­mu­tung, dass die deut­sche Ver­tre­tung bei den VN im Ge­gen­satz zu der VN-Ab­tei­lung im AA in Ber­lin den An­satz ver­tre­te, das Mo­dell nicht als ein kon­se­ku­ti­ves zu ver­ste­hen, son­dern als in­te­gra­les, in dem al­le Säu­len gleich­zei­tig ge­prüft wer­den. Dies sei im Ge­gen­satz zu dem Vor­schlag von Bra­si­li­en zur „Re­s­pon­si­bi­li­ty whi­le Pro­tec­ting“ zu se­hen, wel­cher die kon­se­ku­ti­ve An­wen­dung der drei Säu­len ver­tritt. Her­mann Ni­co­lai be­ton­te, dass es im Be­zug auf die Be­wer­tung des bra­si­lia­ni­schen Kon­zep­tes kei­ne Un­ter­schie­de zwi­schen der deut­schen VN-Ver­tre­tung und der VN-Ab­tei­lung in Ber­lin gä­be. Der Vor­schlag der Bra­si­lia­ner wür­de im AA mit „gro­ßer Skep­sis“ be­trach­tet, da man na­tür­lich al­le drei Säu­len gleich­zei­tig prü­fen müs­se. Die Bun­des­kanz­le­rin hät­te mit der bra­si­lia­ni­schen Prä­si­den­tin höchst­per­sön­lich dar­über ge­spro­chen und die deut­schen Be­den­ken ge­äu­ßert. Es gä­be aber auch po­si­ti­ve As­pek­te des Kon­zep­tes: Deutsch­land ha­be die Hoff­nung, dass durch den bra­si­lia­ni­schen Vor­schlag wei­te­re RtoP-skep­ti­sche Län­der für ei­ne Un­ter­stüt­zung der Schutz­ver­ant­wor­tung ge­won­nen wer­den kön­nen. Die Bun­des­re­pu­blik un­ter­stüt­ze au­ßer­dem die Idee ei­nes „mo­ni­to­ring me­cha­nism“ für die Über­wa­chung von au­to­ri­sier­ten RtoP-Mis­sio­nen, die auch in dem bra­si­lia­ni­schen Vor­schlag ent­hal­ten sei.

 

 

Kon­kre­te Un­ter­stüt­zung der RtoP durch Deutsch­land

 

Zur kon­kre­ten Un­ter­stüt­zung der Schutz­ver­ant­wor­tung durch Deutsch­land er­wähn­te Her­mann Ni­co­lai die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung durch die Bun­des­re­pu­blik für das Bü­ro des Son­der­ge­sand­ten des UN Ge­ne­ral­se­kre­tärs für die Schutz­ver­ant­wor­tung, Ed Luck, so­wie den Ein­satz Deutsch­lands in der „Fri­ends of RtoP“ Grup­pe in New York. Des Wei­te­ren en­ga­gie­re sich Deutsch­land po­li­tisch da­für, das Kon­zept wei­ter zu ent­wi­ckeln, zum Bei­spiel im Dia­log mit Bra­si­li­en und Süd­afri­ka. Das Aus­wär­ti­ge Amt hät­te da­her im Ju­ni 2012 in Pre­to­ria ei­nen Work­shop or­ga­ni­siert, um mit den Bra­si­lia­nern, Süd­afri­ka­nern und in­ter­na­tio­na­len Ex­per­ten über die RtoP zu dis­ku­tie­ren. Die Schutz­ver­ant­wor­tung wür­de au­ßer­dem von der ge­sam­ten Eu­ro­päi­schen Uni­on un­ter­stützt. So stün­de im neu­en Prio­ri­tä­ten­pa­pier für die EU-Po­li­tik in der VN, dass der wei­te­re Aus­bau und die Ope­ra­tio­na­li­sie­rung der Schutz­ver­ant­wor­tung zu den Prio­ri­tä­ten ge­hö­ren. Thors­ten Ben­ner, stell­ver­tre­ten­der Di­rek­tor des Glo­bal Pu­blic Po­li­cy In­sti­tu­te in Ber­lin, lob­te das Zu­ge­hen auf die BRICS Staa­ten durch die deut­sche Au­ßen­po­li­tik, da Norm­ent­wick­lung nur im Dia­log mit den auf­stre­ben­den Mäch­ten funk­tio­nie­ren kön­ne. Er kri­ti­sier­te aber auch, dass vom AA im Be­zug auf die Schutz­ver­ant­wor­tung kei­ne The­men­füh­rer­schaft aus­gin­ge und man le­dig­lich re­agie­re und sich in­ter­na­tio­na­len Ent­wick­lun­gen an­pas­se. Man sol­le die Schutz­ver­ant­wor­tung nicht al­lein als ei­ne völ­ker­recht­li­che Fra­ge se­hen, die man über die nächs­ten Jahr­zehn­te aus­ar­bei­ten müs­se, son­dern die­se als ei­ne po­li­tisch-mo­ra­li­sche Ver­pflich­tung ver­ste­hen, die Deutsch­land im Jah­re 2005 ein­ge­gan­gen sei.

 

 

Ein „Atro­ci­ties Preven­ti­on Board“ in Deutsch­land?

 

Auf die Fra­ge, ob und in wel­cher Form man in Deutsch­land ei­ne ähn­li­che Ko­or­di­nie­rungs­ein­heit wie das „Atro­ci­ties Preven­ti­on Board“ in den USA schaf­fen soll­te, ant­wor­te­te Ma­ri­na Schus­ter, Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Spre­che­rin der FDP-Bun­des­tags­frak­ti­on für Men­schen­rech­te, dass sie sich ei­ner sol­chen Idee zwar nicht ent­ge­gen stel­len wür­de. An­statt na­tio­na­le Kon­zep­te aus­zu­bau­en, wür­de sie je­doch  ei­ne grö­ße­re mul­ti­la­te­ra­le An­stren­gung be­vor­zu­gen. Her­mann Ni­co­lai be­fand die ge­gen­wär­ti­gen Struk­tu­ren als aus­rei­chend. Die Ar­beits­grup­pe zum Res­sort­kreis zi­vi­le Kri­sen­prä­ven­ti­on be­schäf­tig­te sich mit ähn­li­chen Fra­gen wie das „Atro­ci­ties Preven­ti­on Board“. Der Res­sort­kreis und des­sen Bei­rat zu­sam­men­ge­nom­men wä­ren in ih­rer Zu­sam­men­set­zung nicht viel an­ders als das ame­ri­ka­ni­sche Mo­dell. Die Schutz­ver­ant­wor­tung sei zwar im Res­sort­kreis noch nicht dis­ku­tiert wor­den, wä­re aber dort bald The­ma. Ro­bert Schüt­te, Vor­sit­zen­der von Ge­no­ci­de Alert, warn­te, dass man vor­sich­tig sein soll­te, dass die RtoP nicht un­ter zi­vi­ler Kri­sen­prä­ven­ti­on sub­su­miert wür­de, da sie das dar­über lie­gen­de Kon­zept sei und die Kri­sen­prä­ven­ti­on le­dig­lich ein Teil da­von sein soll­te.

 

 

Die Li­by­en­in­ter­ven­ti­on und die deut­sche Ent­hal­tung

 

Im Be­zug auf die NA­TO In­ter­ven­ti­on in Li­by­en im letz­ten Jahr er­in­ner­te Ro­bert Schüt­te dar­an, dass man sich bei al­ler Kri­tik in Deutsch­land be­wusst ma­chen soll­te, was pas­siert wä­re, wenn die NA­TO nicht ein­ge­grif­fen hät­te. Er sei sich si­cher, dass in die­sem Fall die Fra­ge ge­stellt wor­den wä­re, wie „nach Ru­an­da, nach Sre­bre­ni­ca, nach den lan­gen Dis­kus­sio­nen zur Schutz­ver­ant­wor­tung, un­ter den Au­gen der Welt, an­ge­kün­digt, ein gro­ßes Mas­sa­ker in Ben­g­ha­zi hat statt­fin­den kön­nen“. Thors­ten Ben­ner be­fand, dass man es sich zu ein­fach ma­che, wenn man die NA­TO-Mis­si­on, so wie sie ge­lau­fen sei, für gut hei­ßen wür­de. Er ar­gu­men­tier­te, die NA­TO hät­te nach dem ver­hin­der­ten Mas­sa­ker in Ben­g­ha­zi erst ein­mal den Sieg er­klä­ren sol­len, um an­schlie­ßend al­le Op­tio­nen neu zu be­wer­ten. Auch wenn die Kri­tik und Ar­gu­men­te ge­gen die RtoP, ins­be­son­de­re von Russ­land und Chi­na, oft schein­hei­lig wä­ren, hät­te man es die­sen Kri­ti­kern durch die Im­ple­men­tie­rung der Li­by­en­mis­si­on zu leicht ge­macht. Im Be­zug auf die deut­sche Ent­hal­tung bei der Re­so­lu­ti­on 1973, die die NA­TO-In­ter­ven­ti­on au­to­ri­sier­te, kri­ti­sier­te Wolf­gang Sei­bel die Ent­schei­dung der deut­schen Bun­des­re­gie­rung, in ei­nem sol­chen „glas­kla­ren RtoP-Fall“ die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft nicht zu un­ter­stüt­zen. Ma­ri­na Schus­ter stell­te fest, dass kei­ne Par­tei im deut­schen Bun­des­tag ei­ne Be­tei­li­gung an ei­ner Mis­si­on in Li­by­en be­für­wor­tet oder ge­for­dert hät­te und sie die Po­si­ti­on vie­ler - man hät­te mit „Ja“ stim­men, sich aber dann trotz­dem nicht be­tei­li­gen sol­len - kri­tisch se­he.

 

 

Deut­sche Ver­ant­wor­tung im RtoP-Fall Sy­ri­en

 

Hin­sicht­lich der La­ge in Sy­ri­en und der Blo­cka­de­hal­tung Russ­lands und Chi­nas im Si­cher­heits­rat be­schrieb Ma­ri­na Schus­ter ein „Ge­fühl der Ohn­macht“. Man ha­be die im par­la­men­ta­ri­schen Be­reich zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel ge­nutzt und zum Bei­spiel mit dem rus­si­schen Bot­schaf­ter Ge­sprä­che ge­führt. Wolf­gang Sei­bel be­merk­te, dass es in Sy­ri­en nicht um ei­ne mi­li­tä­ri­sche In­ter­ven­ti­on gin­ge, da sich Sy­ri­en in ei­ner äu­ßerst kom­ple­xen geo­po­li­ti­schen La­ge be­fän­de und ei­ne In­ter­ven­ti­on nicht die glei­chen Er­folgs­chan­cen wie in Li­by­en hät­te. Sei­ner Mei­nung nach soll­te Deutsch­land mehr tun um die Län­der, die im  Si­cher­heits­rat wei­te­re Maß­nah­men blo­ckier­ten, ins­be­son­de­re Russ­land und Chi­na, mehr un­ter Druck zu set­zen.  Deutsch­land sol­le trotz even­tu­ell dem ent­ge­gen ste­hen­den Wirt­schafts­in­ter­es­sen ei­ne „kla­re Spra­che“ spre­chen. Herr­mann Ni­co­lai ent­geg­ne­te dem, dass es nicht ziel­füh­rend sei, dies öf­fent­lich zu tun und man durch Di­plo­ma­tie in­zwi­schen zu­min­dest die Mis­si­on von Ko­fi An­n­an mög­lich ge­macht ha­be. Ro­bert Schüt­te warn­te, dass man sich auch auf na­tio­nal­staat­li­cher Ebe­ne Ge­dan­ken ma­chen müs­se, wel­che Hand­lungs­op­tio­nen es gä­be, wenn die­se Mis­si­on  schei­te­re. 

 

 

Not­wen­di­ge Maß­nah­men zur Um­set­zung der Schutz­ver­ant­wor­tung

 

Die Po­di­ums­teil­neh­mer nann­ten ei­ne Rei­he von not­wen­di­gen Maß­nah­men, die die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft und Deutsch­land er­grei­fen soll­ten, um ei­ne bes­se­re Um­set­zung der Schutz­ver­ant­wor­tung zu er­rei­chen. Thors­ten Ben­ner sprach sich für ei­ne Stär­kung der Über­wa­chungs­ka­pa­zi­tä­ten der Ver­ein­ten Na­tio­nen aus, da­mit die­se die Ver­let­zung der Schutz­ver­ant­wor­tung von Sei­ten der Staa­ten über­wa­chen kön­nen.

Ma­ri­na Schus­ter be­rich­te­te, dass sie in der par­la­men­ta­ri­sche Ver­samm­lung des Eu­ro­pa­ra­tes ei­nen Be­richt vor­ge­legt ha­be, der ei­ne Fol­ge­kon­fe­renz der „In­ter­na­tio­nal Com­mis­si­on on In­ter­ven­ti­on and Sta­te Sover­eig­n­ty“ (ICISS) vor­schla­ge, um strit­ti­ge Fra­gen zur RtoP im Völ­ker­recht zu klä­ren. Der Be­richt sei von der par­la­men­ta­ri­schen Ver­samm­lung be­schlos­sen und an den VN-Ge­ne­ral­se­kre­tär Ban Ki-moon ge­sen­det wor­den. Deutsch­land müs­se sich da­für ein­set­zen, dass das Kon­zept nicht dis­kre­di­tiert oder miss­braucht wür­de. Ro­bert Schüt­te, be­ton­te, dass es not­wen­dig sei „Schutz von Zi­vi­lis­ten“ als Kon­zept  ge­nau zu de­fi­nie­ren. Ob­wohl die Ver­ein­ten Na­tio­nen seit 1999 dies als Auf­ga­be in Man­da­ten von VN-Mis­sio­nen ver­an­kern, sei im­mer noch nicht ge­nau aus­buch­sta­biert, was dies ge­nau be­deu­te. Auch Wolf­gang Sei­bel er­in­ner­te, dass die RtoP tag­täg­lich in Peace­ke­eping-Mis­sio­nen ei­ne Rol­le spie­le. Man müs­se da­für sor­gen, dass die­se aus­rei­chend aus­ge­stat­tet sind, um ih­re Man­da­te er­fül­len zu kön­nen.

 

 

Po­li­ti­scher Wil­le für die Schutz­ver­ant­wor­tung in Deutsch­land?

 

Ein zen­tra­ler Punkt für die Un­ter­stüt­zung der Schutz­ver­ant­wor­tung durch Deutsch­land, der von vie­len der Po­di­ums­teil­neh­mer an­ge­spro­chen wur­de, war die Fra­ge des po­li­ti­schen Wil­lens in Deutsch­land. Thors­ten Ben­ner be­merk­te, dass die Bun­des­kanz­le­rin, die sich vie­len au­ßen­po­li­ti­schen The­men an­ge­nom­men ha­be, die Schutz­ver­ant­wor­tung nicht öf­fent­lich un­ter­stützt. Dies le­ge dar­an, dass man in Deutsch­land mit die­sem The­ma als Po­li­ti­ker nichts ge­win­nen kön­ne. Er lob­te die Ar­beit von Ge­no­ci­de Alert als „ei­ne der we­ni­gen NGOs in Deutsch­land“, die bei dem The­ma Druck aus­üb­ten und be­ton­te den Be­darf an mehr Über­zeu­gungs­ar­beit in Po­li­tik und Ge­sell­schaft. Wolf­gang Sei­bel stell­te den Un­ter­schied der po­li­ti­schen Un­ter­stüt­zung der Li­by­en­in­ter­ven­ti­on in Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en ge­gen­über Deutsch­land her­vor. In den ers­ten bei­den Län­dern ha­be es ei­ne brei­te Be­für­wor­tung des Ein­sat­zes, auch durch die je­wei­li­ge Op­po­si­ti­on und in der Be­völ­ke­rung, ge­ge­ben. Die dor­ti­gen Re­gie­run­gen hät­ten es sich im Ge­gen­satz zu der deut­schen schlecht leis­ten kön­nen, nicht zu in­ter­ve­nie­ren. Auf ei­ne Fra­ge aus dem Pu­bli­kum, ob die Schutz­ver­ant­wor­tung nicht nur ei­ne vor­ge­scho­be­ne De­ckung für mi­li­tä­ri­sche In­ter­ven­tio­nen sei, ent­geg­ne­te er, dass die nur in Fäl­len schlimms­ter Mas­sen­ver­bre­chen grei­fe. Dies sei­nen Kriegs­ver­bre­chen, eth­ni­sche Säu­be­run­gen, Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit und Völ­ker­mord. Man müs­se sich dann kon­kret mit der Fra­ge der mo­ra­li­schen Ver­ant­wor­tung aus­ein­an­der­set­zen, wenn man in Fäl­len wie Sre­bre­ni­ca und Ru­an­da, aber auch Ben­g­ha­zi nicht ein­grei­fe, son­dern zu­schaue. Ro­bert Schüt­te hob auch ab­schlie­ßend den Wi­der­spruch her­vor, dass die deut­sche Be­völ­ke­rung in ei­ner Um­fra­ge zur Li­by­en­in­ter­ven­ti­on zwar mit ei­ner Zwei­drit­tel­mehr­heit ei­ne In­ter­ven­ti­on be­für­wor­te­te, ei­ne deut­sche Be­tei­li­gung an die­ser aber mit der glei­chen Mehr­heit ab­lehn­te. Er sprach sich da­für aus, in Deutsch­land auch ei­ne „Freun­des­grup­pe“ der Schutz­ver­ant­wor­tung zu schaf­fen, um dem The­ma in Po­li­tik und Ge­sell­schaft mehr Pro­mi­nenz zu ge­ben. Die von Ge­no­ci­de Alert or­ga­ni­sier­te Ver­an­stal­tung wä­re ein Ver­such, zu die­sem Pro­zess bei­zu­tra­gen. 

 

 

Sa­rah Brock­mei­er

 

 

 Kli­cken Sie hier für die PDF Ver­si­on des Be­rich­tes. Hier zum Pro­gramm­heft der Ver­an­stal­tung. Ei­ne Vi­deo­auf­nah­me der Ver­an­stal­tung wird bald auf die­ser Sei­te ver­öf­fent­licht.

 

 

 



News

Eu­ro­pas mo­ra­li­sche Ver­ant­wor­tungDer Be­richt der Task Force on the EU Preven­ti­on of Mass Atro­ci­ties und sei­ne Im­pli­ka­tio­nen für die deut­sche Po­li­tik Gre­gor Hof­mann,...
[mehr...]

Deut­sche Wel­le.​de über Sy­ri­en, die Schutz­ver­ant­wor­tung und die An­sich­ten von Ro­bert Schüt­te, Vor­sit­zen­dem von Ge­no­ci­de Alert Im An­schluss an die...
[mehr...]

"Af­gha­nis­tan, Li­by­en, Sy­ri­en, Ma­li: Wann soll die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft zum Schutz der Be­völ­ke­rung ein­grei­fen - Wenn über­haupt?" Un­ter die­sem pro­vo­kan­ten Ti­tel...
[mehr...]

Facts­heetMög­lich­kei­ten von RtoP-Ein­sät­zen durch Deutsch­land un­ter­halb der Schwel­le mi­li­tä­ri­schen Ein­grei­fensvon Chris­toph Schlim­pert, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der...
[mehr...]

Kei­ne Ta­bus Der Bür­ger­krieg in Sy­ri­en wird nur dann di­plo­ma­tisch zu lö­sen sein, wenn ein mi­li­tä­ri­sches Ein­grei­fen nicht län­ger ta­bui­siert wird.Der Wes­ten soll­te vor die­ser...
[mehr...]