RtoP in der Diskussion

Die Kri­se in Sy­ri­en und die Schutz­ver­ant­wor­tung der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft: Ein In­ter­view von Ge­no­ci­de Alert mit dem Völ­ker­recht­ler Prof. Dr Claus Kreß*

15.02.2012

Schlüs­sel­aus­sa­gen des In­ter­views:

  • Viel spricht da­für, dass in Sy­ri­en Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit be­gan­gen wer­den. Des­halb ist die Kri­se in Sy­ri­en ein Fall für die in­ter­na­tio­na­le Schutz­ver­ant­wor­tung.
  • Die UN Ge­ne­ral­ver­samm­lung könn­te durch ei­ne Ver­ur­tei­lung Sy­ri­ens wei­te­ren di­plo­ma­ti­schen Druck auf­bau­en.
  • Die Ein­rich­tung ei­ner Schutz­zo­ne auf sy­ri­schem Ter­ri­to­ri­um durch die Tür­kei führ­te eben­so in ei­ne völ­ker­recht­li­che Grau­zo­ne wie Waf­fen­lie­fe­run­gen an die sy­ri­sche Op­po­si­ti­on.
  • Ein di­rek­te di­plo­ma­ti­sche, fi­nan­zi­el­le und fried­lich-lo­gis­ti­sche Un­ter­stüt­zung der sy­ri­schen Op­po­si­ti­on wä­re in An­be­tracht der sys­te­ma­ti­schen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen des sy­ri­schen Re­gimes völ­ker­recht­lich gut be­grün­det.

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Ge­no­ci­de Alert: Han­delt es sich bei den Men­schen­rechts­ver­bre­chen in Sy­ri­en um ei­ne Si­tua­ti­on der Schutz­ver­ant­wor­tung („Re­s­pon­si­bi­li­ty to Pro­tect“)?

 

Prof. Kreß: In­zwi­schen fällt es schwer, sich die­ses Ein­drucks zu er­weh­ren. Zu Be­ginn der Ge­walt­an­wen­dung in Sy­ri­en war von au­ßen be­trach­tet nicht klar, ob es sich nicht viel­leicht um räum­lich be­grenz­te und spon­ta­ne Ge­walt­ex­zes­se der Si­cher­heits­kräf­te han­del­te. Die In­for­ma­tio­nen, die uns jetzt aus Sy­ri­en er­rei­chen, spre­chen in­des­sen recht ein­deu­tig für ei­nen kon­zer­tier­ten An­griff der Staats­ge­walt ge­gen ei­nen Teil der ei­ge­nen Be­völ­ke­rung, die im Kern fried­li­che Op­po­si­ti­on, wo im­mer im Land sich die­se zeigt oder ver­mu­tet wird.

 

Ge­no­ci­de Alert: Kann man Ih­rer Mei­nung nach von ei­nem be­waff­ne­ten Kon­flikt in Sy­ri­en spre­chen?

 

Prof. Kreß: Da ha­be ich er­heb­li­che Zwei­fel. Denn hier­zu müss­te der sy­ri­schen Staats­macht min­des­tens ei­ne ei­ni­ger­ma­ßen or­ga­ni­sier­te geg­ne­ri­sche Kon­flikt­par­tei in ei­ner qua­si-mi­li­tä­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zung ent­ge­gen­tre­ten. An die­ser Stel­le hat sich die Si­tua­ti­on in Sy­ri­en je­den­falls bis­lang an­ders ent­wi­ckelt als in Li­by­en.

 

Ge­no­ci­de Alert: In wel­cher Form hat das sy­ri­sche Re­gime Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit be­gan­gen?

 

Prof. Kreß: Der Be­griff der Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit setzt ei­nen aus­ge­dehn­ten oder sys­te­ma­ti­schen An­griff ei­nes Kol­lek­tivs ge­gen ei­ne Zi­vil­be­völ­ke­rung vor­aus. Wann Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen die Schwel­le ei­nes sol­chen An­griffs er­rei­chen, ist noch nicht ab­schlie­ßend ge­klärt. Über­zieht die Re­gie­rung ei­nes Staa­tes ei­ne er­star­ken­de Op­po­si­ti­on sys­te­ma­tisch mit Mord und Fol­ter, ist ein sol­cher An­griff ge­ge­ben. Hier­um geht es in Sy­ri­en.

 

Ge­no­ci­de Alert: Wel­che Hand­lungs­mög­lich­kei­ten be­ste­hen nun noch nach dem Ve­to Russ­lands und Chi­nas im UN Si­cher­heits­rat? Wä­re ei­ne Be­hand­lung der Si­tua­ti­on auch im Rah­men der UN Ge­ne­ral­ver­samm­lung mög­lich, z.B. ge­mäß der Unit­ing for Peace-Pro­ze­dur?

 

Prof. Kreß: Nach der Sat­zung der Ver­ein­ten Na­tio­nen ist die Ge­ne­ral­ver­samm­lung nicht be­fugt, über die An­wen­dung von Zwangs­maß­nah­men zu be­schlie­ßen. In­so­weit ver­fügt der Si­cher­heits­rat über das Mo­no­pol der Ent­schei­dung. Die Ge­ne­ral­ver­samm­lung hat­te im Zu­ge der Ko­rea-Kri­se der 1950er Jah­re ver­sucht, die­ses Mo­no­pol durch die von Ih­nen an­ge­spro­che­ne Unit­ing for Peace-Re­so­lu­ti­on auf­zu­bre­chen. Doch ist die­ser Ver­such nicht zu ei­ner in­for­mell sat­zungs­än­dern­den Pra­xis er­starkt, wie der In­ter­na­tio­na­le Ge­richts­hof in ei­nem Rechts­gut­ach­ten der 1960er Jah­re fest­ge­stellt hat. In dem­sel­ben Gut­ach­ten hält der Ge­richts­hof in­des­sen fest, dass die Ge­ne­ral­ver­samm­lung nicht schon des­halb dar­an ge­hin­dert ist, sich mit ei­ner Si­tua­ti­on zu be­fas­sen, die den in­ter­na­tio­na­len Frie­den be­droht, weil die­se Si­tua­ti­on auf der Ta­ges­ord­nung des Si­cher­heits­rats steht. Die Ge­ne­ral­ver­samm­lung könn­te Sy­ri­en al­so durch­aus ver­ur­tei­len, ob­gleich ei­ne sol­che Ver­ur­tei­lung im Si­cher­heits­rat ge­schei­tert ist. In Ver­bin­dung mit dem Druck, den die Ara­bi­sche Li­ga der­zeit auf Sy­ri­en aus­übt, wür­de ein sol­ches Vor­ge­hen ein will­kom­me­nes Zei­chen ge­gen das As­sad-Re­gime aus­sen­den und zu­gleich ei­nen wei­te­ren Be­leg da­für lie­fern, dass Russ­land und Chi­na in die­ser Fra­ge iso­liert sind.

 

Ge­no­ci­de Alert: Der­zeit wer­den ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en für ein stär­ke­res in­ter­na­tio­na­les En­ga­ge­ment zu Guns­ten der sy­ri­schen Op­po­si­ti­on durch­ge­spielt. Ei­ne der da­bei wie­der­holt ge­nann­ten Op­tio­nen wä­re die Ein­rich­tung ei­ner Schutz­zo­ne durch die Tür­kei auf sy­ri­schem Bo­den an der Gren­ze der bei­den Län­der. Wä­re solch ein Schritt völ­ker­rechts­wid­rig? Könn­te die Tür­kei vor dem Hin­ter­grund sy­ri­scher Flücht­lings­strö­me ei­ne sol­che Maß­nah­me als Selbst­ver­tei­di­gung gel­tend ma­chen?

 

Prof. Kreß: Die Tür­kei be­gä­be sich hier­durch in ei­ne völ­ker­recht­li­che Grau­zo­ne. Denn die Ein­rich­tung und Durch­set­zung ei­ner sol­chen Schutz­zo­ne auf sy­ri­schem Bo­den oh­ne die Er­laub­nis Sy­ri­ens wä­re ei­ne Ge­walt­an­wen­dung ge­gen die­sen Staat. Auf das in der Sat­zung der Ver­ein­ten Na­tio­nen ver­brief­te Selbst­ver­tei­di­gungs­recht könn­te sich die Tür­kei hier­zu trotz Flücht­lings­strö­men aus Sy­ri­en nicht be­ru­fen. Ei­nen an­de­ren Rechts­ti­tel zur grenz­über­grei­fen­den Ge­walt­an­wen­dung oh­ne Man­dat des Si­cher­heits­rats sieht die Sat­zung der Ver­ein­ten Na­tio­nen nicht vor. Al­ler­dings ist in der neue­ren Pra­xis ver­schie­dent­lich gel­tend ge­macht wor­den, dass Ge­walt zur Be­en­di­gung schwers­ter und in grö­ß­tem Um­fang be­gan­ge­ner Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen an­ge­wandt wer­den dür­fe. So hat bei­spiels­wei­se Groß­bri­tan­ni­en 1991 die Ein­rich­tung und Durch­set­zung ei­ner Flug­ver­bots­zo­ne zum Schutz der ira­ki­schen Kur­den vor dem An­griff Sad­dam Hus­seins be­grün­det, oh­ne dass dies in der in­ter­na­tio­na­len Staa­ten­ge­mein­schaft auf nen­nens­wer­te Kri­tik ge­sto­ßen wä­re. Die Fra­ge ist, ob sich die­se Pra­xis so weit ver­dich­tet hat, dass an die­sem Punkt von ei­ner in­for­mel­len Än­de­rung der Sat­zung der Ver­ein­ten Na­tio­nen ge­spro­chen wer­den könn­te. Hier be­ste­hen ge­wich­ti­ge Zwei­fel, zu­mal der Ko­so­vo-Ein­satz der Ver­ein­ten Na­tio­nen die block­frei­en Staa­ten zu ei­nem (frei­lich abs­trak­ten) Be­kennt­nis ge­gen die so ge­nann­te uni­la­te­ra­le hu­ma­ni­tä­re In­ter­ven­ti­on ver­an­lasst hat. In die­ser Si­tua­ti­on geht je­der Staat, der sich zur Durch­füh­rung ei­ner uni­la­te­ra­len hu­ma­ni­tä­ren In­ter­ven­ti­on ent­schlie­ßt, ein völ­ker­recht­li­ches Ri­si­ko ein. Gleich­zei­tig be­steht na­tür­lich die Chan­ce, die Ent­wick­lung hin zur Her­aus­bil­dung ei­ner Er­laub­nis zur uni­la­te­ra­len Ge­walt­an­wen­dung im hu­ma­ni­tä­ren Ex­trem­fall zu kon­so­li­die­ren, wenn es ge­lingt, ei­nen wei­te­ren er­folg­rei­chen Prä­ze­denz­fall zu set­zen, d.h. mit ei­nem ent­spre­chen­den Ge­walt­ein­satz kei­ne nen­nens­wer­te in­ter­na­tio­na­le Kri­tik her­vor­zu­ru­fen.

 

Ge­no­ci­de Alert: Wie wä­re es völ­ker­recht­lich zu be­wer­ten, wenn die Ara­bi­sche Li­ga die Tür­kei zur Vor­nah­me ei­ner hu­ma­ni­tä­ren In­ter­ven­ti­on man­da­tie­ren wür­de?

 

Prof. Kreß: Die in­zwi­schen sehr deut­li­che Kri­tik der Ara­bi­schen Li­ga am Vor­ge­hen Sy­ri­ens ist sehr zu be­grü­ßen. Es ist des­halb rich­tig, dass die west­li­chen Staa­ten die en­ge Ab­stim­mung mit der Li­ga als der ma­ß­geb­li­chen Re­gio­nal­or­ga­ni­sa­ti­on su­chen. Als Re­gio­nal­or­ga­ni­sa­ti­on - um zu Ih­rer Fra­ge zu kom­men - kann die Ara­bi­sche Li­ga al­ler­dings nicht vom Ge­walt­ver­bot der Sat­zung der Ver­ein­ten Na­tio­nen dis­pen­sie­ren. Die Un­ter­stüt­zung der Er­rich­tung ei­ner Schutz­zo­ne auf sy­ri­schem Staats­ge­biet durch die Ara­bi­sche Li­ga wür­de le­dig­lich die Chan­ce er­hö­hen, dass die Staa­ten­ge­mein­schaft wohl­wol­lend oder je­den­falls dul­dend auf ei­ne sol­che be­grenz­te hu­ma­ni­tä­re In­ter­ven­ti­on re­agiert. Ganz all­ge­mein gilt üb­ri­gens, dass je­der Staat, der ei­nen Ge­walt­ein­satz zur Ab­wen­dung ei­ner hu­ma­ni­tä­ren Ka­ta­stro­phe er­wägt, gut be­ra­ten ist, sich in ein Staa­ten­kol­lek­tiv ein­zu­fü­gen, um dem Ver­dacht zu be­geg­nen, das hu­ma­ni­tä­re Mo­tiv be­män­te­le viel­leicht le­dig­lich na­tio­na­le Macht­in­ter­es­sen.

 

Ge­no­ci­de Alert: Wel­che mit dem Völ­ker­recht zu ver­ein­ba­ren­de Mög­lich­kei­ten zur Un­ter­stüt­zung der sy­ri­schen Op­po­si­ti­on ste­hen zur Ver­fü­gung? Wo ist die Gren­ze zu ei­ner il­le­ga­len Ein­mi­schung in die in­ne­ren An­ge­le­gen­hei­ten des Lan­des zu zie­hen?

 

Prof. Kreß: Zu­nächst kom­men sämt­li­che Maß­nah­men in Be­tracht, die das As­sad-Re­gime zwar als „un­freund­lich“ be­wer­ten mag, die je­doch kei­ner völ­ker­recht­li­chen Ver­hal­tens­norm und ins­be­son­de­re nicht dem Ver­bot der Ein­mi­schung in die in­ne­ren An­ge­le­gen­hei­ten wi­der­spre­chen. Ein Bei­spiel ist der Ab­bruch der di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen. Im Üb­ri­gen kann man sich völ­ker­recht­lich auf den Stand­punkt stel­len, die mas­si­ven Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen Sy­ri­ens be­rech­tig­ten die üb­ri­gen Staa­ten zur Durch­füh­rung von so ge­nann­ten Ge­gen­maß­nah­men (frü­her sprach man von Re­pres­sa­li­en), um das sy­ri­sche Re­gime von wei­te­ren Völ­ker­rechts­ver­let­zun­gen ab­zu­brin­gen. Sol­che Ge­gen­maß­nah­men, die man vor­zugs­wei­se im kol­lek­ti­ven Ver­bund wird durch­füh­ren wol­len, könn­ten Hand­lun­gen ein­schlie­ßen, die an­sons­ten ge­gen Völ­ker­recht ver­stie­ßen und ins­be­son­de­re als völ­ker­rechts­wid­ri­ge In­ter­ven­ti­on zu be­wer­ten wä­ren. Die Eu­ro­päi­sche Uni­on hat ja be­reits be­schlos­sen, Ver­mö­gens­wer­te sol­cher Per­so­nen ein­zu­frie­ren, die vor­ran­gig für die Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ver­ant­wort­lich sind. Zu den­ken ist wei­ter­hin an die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung der sy­ri­schen Op­po­si­ti­on. Wei­te­re Maß­nah­men, die in die­sem Zu­sam­men­hang er­wo­gen wer­den könn­ten, wä­re die Er­laub­nis zur Er­öff­nung von Ver­bin­dungs­bü­ros auf dem ei­ge­nen Staats­ge­biet oder die Lie­fe­rung von Sa­tel­li­ten­te­le­fo­nen und ähn­li­cher Aus­rüs­tung, um der sy­ri­schen Op­po­si­ti­on so da­bei zu hel­fen, mit der Welt­öf­fent­lich­keit zu kom­mu­ni­zie­ren. Völ­ker­recht­lich hei­kel wird es bei Waf­fen­lie­fe­run­gen. Denn der In­ter­na­tio­na­le Ge­richts­hof hat Waf­fen­lie­fe­run­gen an ei­ne nicht-staat­li­che Bür­ger­kriegs­par­tei auf die Schwel­le der Ge­walt­an­wen­dung ge­ho­ben und da­mit den Spiel­raum für die völ­ker­recht­li­che Recht­fer­ti­gung ein­ge­schränkt. Völ­ker­rechts­po­li­tisch lässt sich an die­ser Stel­le si­cher treff­lich strei­ten. So sinn­voll es grund­sätz­lich ist, Waf­fen­lie­fe­run­gen an die nicht-staat­li­che Bür­ger­kriegs­par­tei aus­zu­schlie­ßen, so frag­wür­dig er­scheint ein ka­te­go­ri­sches völ­ker­recht­li­ches Ver­bot, ei­ner vom staat­li­chen Mi­li­tär oder staat­li­chen Si­cher­heits­kräf­ten an­ge­grif­fe­nen Zi­vil­be­völ­ke­rung da­bei zu hel­fen, sich zu ver­tei­di­gen.

 

Ge­no­ci­de Alert: Ist Sy­ri­en ver­pflich­tet hu­ma­ni­tä­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen Zu­gang zu ge­wäh­ren?

 

Prof. Kreß: Die Pflicht des Ge­biets­staa­tes, hu­ma­ni­tä­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen Zu­gang zu ge­wäh­ren, da­mit die­se bei Be­darf un­par­tei­isch Hil­fe leis­ten kön­nen, ist im Völ­ker­recht der be­waff­ne­ten Kon­flik­te aus­drück­lich ge­re­gelt. Im Frie­dens­zu­stand soll­te im Er­geb­nis nichts an­de­res gel­ten, wenn sich ein Teil der Be­völ­ke­rung in aku­ter Le­bens­ge­fahr be­fin­det. Die ak­tu­el­le in­ter­na­tio­na­le Dis­kus­si­on, die vor al­lem im Hin­blick auf Not­la­gen in der Fol­ge von Na­tur­ka­ta­stro­phen ge­führt wird, deu­tet denn auch stark in die­se Rich­tung. Doch hilft die hier dis­ku­tier­te Pflicht na­tür­lich prak­tisch nicht, wenn die schwe­re Not­la­ge erst durch den An­griff der Re­gie­rung des Ge­biets­staa­tes her­auf­be­schwo­ren wird. Denn ei­ne sol­che Re­gie­rung wird den Zu­gang ver­wei­gern, und um die­sen mit Ge­walt durch­zu­set­zen, müss­te man wie­der­um be­reit sein, ei­ne völ­ker­recht­li­che Grau­zo­ne zu be­tre­ten.

 

 

professor kress*Prof. Kreß ist In­ha­ber des Lehr­stuhls für deut­sches Straf­recht, eu­ro­päi­sches Straf­recht, Völ­ker­straf­recht so­wie für Frie­dens­si­che­rungs- und Kon­fliktsvöl­ker­recht an der Uni­ver­si­tät zu Köln. Er war Mit­glied der deut­schen Re­gie­rungs­de­le­ga­ti­on bei der Staa­ten­kon­fe­renz in Rom zur Er­rich­tung des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­ho­fes (IStGH) und ist seit 2003 wis­sen­schaft­li­ches Mit­glied der deut­schen Re­gie­rungs­de­le­ga­tio­nen in der Staa­ten­ver­samm­lung des IStGH. Bei der ers­ten Über­prü­fungs­kon­fe­renz zum Sta­tut des IStGH im letz­ten Jahr in Kam­pa­la hat Prof. Kreß an dem Ver­hand­lungs­durch­bruch zum Ver­bre­chen der Ag­gres­si­on (Cri­me of Ag­gres­si­on) mit­ge­wirkt.

 

Das Ge­spräch führ­ten Es­ther Igle­si­as Gon­za­lez und Ro­bert Schüt­te am 15.02.2012

 

 

Bit­te fin­den Sie hier das In­ter­view mit Prof. Kreß in PDF.



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