RtoP in der Diskussion

Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft und die sy­ri­sche Re­vo­lu­ti­on
Haid Haid
                                                                                                                                                       4. Ju­li. 2012

Haid Haid ist sy­ri­scher So­zi­al­wis­sen­schaft­ler und hat Da­mas­kus im Ja­nu­ar 2012 ver­las­sen. Er ar­bei­tet als Pro­gramm-Ma­na­ger beim Midd­le East Of­fice der Hein­rich-Böll-Stif­tung in Bei­rut.

(aus dem Eng­li­schen von Chris­toph Schlim­pert)

                                                                                                                 
   

Die sy­ri­sche Re­vo­lu­ti­on dau­ert be­reits mehr als 15 Mo­na­te an, die durch­schnitt­li­che An­zahl der pro Tag ge­tö­te­ten sy­ri­scher Zi­vi­lis­ten und Kom­bat­tan­ten (so­wohl auf Sei­ten der Geg­ner als auch der Be­für­wor­ter des Re­gimes) steigt ste­tig. Den­noch sind vie­le nach wie vor nicht in der La­ge sich zu ei­ni­gen, wie auf die Kri­se re­agiert wer­den soll. Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft bleibt macht­los dar­in, dem Ab­schlach­ten ein En­de zu setz­ten. Die Kom­ple­xi­tät der La­ge in Sy­ri­en trägt da­zu bei, dass die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft sich bei der Er­fül­lung ih­rer Ver­pflich­tun­gen und der Hil­fe zum Schut­ze der sy­ri­schen Be­völ­ke­rung zu­rück­hält. 
Um die Po­si­tio­nen der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft an­ge­mes­sen zu ver­ste­hen, ist  ei­ne kur­ze Be­stands­auf­nah­me der Maß­nah­men er­for­der­lich, wel­che die­se ge­gen das sy­ri­sche Re­gime er­grif­fen hat. Die­se Maß­nah­men und Sank­tio­nen soll­ten aus der Per­spek­ti­ve des re­gio­na­len geo­po­li­ti­schen Macht­gleich­ge­wichts be­trach­tet wer­den, um klar zu ver­se­hen, war­um  die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft so zö­ger­lich ist.
 

1. Re­gio­na­le In­ter­ven­tio­nen in der Sy­ri­schen Re­vo­lu­ti­on

Die ka­te­go­ri­sche Wei­ge­rung des As­sad-Re­gimes Macht ab­zu­ge­ben, zu­sam­men mit sei­ner Un­fä­hig­keit, oh­ne äu­ße­re Hil­fe sein ei­ge­nes Über­le­ben zu si­chern, führ­te zu sei­nem Drän­gen auf ei­ne „freund­li­che“ In­ter­ven­ti­on der rus­sisch-chi­ne­sisch-ira­ni­schen Ach­se. Im Ge­gen­zug fand sich die US-eu­ro­päi­sche Ach­se,  mit der Tür­kei und ei­ni­gen ara­bi­schen Staa­ten zu­sam­men. Je­doch fehlt ist die­se weit­aus we­ni­ger ko­or­di­niert als die pro-As­sad Ach­se.

Un­ge­ach­tet wie­der­hol­ter Ver­su­che der ara­bi­schen, re­gio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaf­ten, In­itia­ti­ven dar­zu­le­gen, wel­che dem Re­gime hel­fen wür­den die Kri­se zu über­win­den, wur­de schnell klar, dass As­sad nicht die Ab­sicht hat­te, ei­ne Lö­sung zu­zu­las­sen, wel­che von au­ßer­halb Sy­ri­ens kä­me. Sy­ri­en wur­de zu ei­nem Schlacht­feld, ei­nem Ort, an wel­chem in­ter­na­tio­na­le und re­gio­na­le Rech­nun­gen be­gli­chen wer­den. Dies stei­ger­te wie­der­um die Kom­ple­xi­tät der po­li­ti­schen Si­tua­ti­on des Lan­des: nicht mehr nur ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen ei­nem re­pres­si­ven Re­gime und ei­ner re­vo­lu­tio­nä­ren Be­völ­ke­rung, nahm der Kon­flikt ei­ne dar­über hin­aus­ge­hen­de re­gio­na­le und in­ter­na­tio­na­le Di­men­si­on an.
Der Mehr­heit der Sy­rer wur­de un­ter­des­sen klar, dass ei­ne Ent­schei­dung im Kampf um Sy­ri­en (ein Kampf, der bis da­to auf das Ge­biet in­ner­halb der sy­ri­schen Gren­zen be­schränkt war) ei­nen in­ter­na­tio­na­len und re­gio­na­len Kon­sens er­for­der­te. Die Un­ter­stüt­zung der Re­vo­lu­ti­on war nicht mehr nur ein­fach ei­ne An­ge­le­gen­heit, in der es dar­um ging, ein Volk im Kampf um ih­re Grund­rech­te zu un­ter­stüt­zen, son­dern auch ein Vor­wand, um in ei­ne um­fas­sen­de­re Aus­ein­an­der­set­zung um Ein­fluss in der Re­gi­on ein­grei­fen zu kön­nen.
Man­che west­li­chen und ara­bi­schen Staa­ten se­hen die Vor­gän­ge in Sy­ri­en als Ge­le­gen­heit, Sy­ri­ens Ver­bün­de­te, Russ­land und Iran, zu mar­gi­na­li­sie­ren. Mit an­de­ren Wor­ten han­delt es sich um ei­nen Stell­ver­tre­ter­krieg ge­gen den Iran, Sau­di Ara­bi­ens re­gio­na­len Geg­ner. Russ­land und Chi­na zeig­ten sich un­ter­des­sen höhst er­folg­reich dar­in, die Be­mü­hun­gen der USA und ih­rer eu­ro­päi­schen und ara­bi­schen Part­ner um ei­ne UN-Si­cher­heits­rats­re­so­lu­ti­on zu ver­ei­teln, wel­che die­sen ei­nen wei­te­ren Stand im Na­hen Os­ten ver­schaf­fen und die west­li­che Mi­li­tär­prä­senz im me­di­ter­ra­nen Raum ver­stär­ken wür­de. Irans un­ein­ge­schränk­te Un­ter­stüt­zung für das sy­ri­sche Re­gime, bei­spiel­haft er­läu­tert durch die Aus­sa­ge des ira­ni­schen Staats­ober­haup­tes, Aya­tol­lah Kha­men­ei, dass sein Land sei­nen re­gio­na­len Ver­bün­de­ten um je­den Preis­ver­tei­di­gen wür­de, kann am bes­ten ver­stan­den wer­den, wenn man die Kon­se­quen­zen ei­nes Stur­zes von As­sad prüft: Es wür­de be­deu­ten, dass Iran ei­nen sei­ner wich­tigs­ten stra­te­gi­scher Ver­bün­de­ten in der Re­gi­on ver­lie­ren wür­de.
 
Vie­le Sy­rer glau­ben, dass, wäh­rend das Über­le­ben der Re­vo­lu­ti­on in den Hän­den der Sy­rer selbst liegt, der Sturz As­sads vom re­gio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Kon­sens ab­hängt. Es ist die Auf­ga­be der Sy­rer, die Flam­me der Re­vo­lu­ti­on durch fried­li­che De­mons­tra­tio­nen am Le­ben zu hal­ten, bis ei­ne Über­ein­kunft er­reicht wer­den kann.


2. Ara­bi­sche und in­ter­na­tio­na­le Sank­tio­nen

Auf­grund des­sen, dass das sy­ri­schen Re­gimes an der ex­zes­si­ven Ge­walt­an­wen­dung ge­gen­über sei­ner Be­völ­ke­rung fest­hält und im Lich­te des Un­wil­lens der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft, ei­ne mi­li­tä­ri­sche zu in­ter­ve­nie­ren, ver­häng­ten die USA, die EU und die Ara­bi­sche Li­ga weit­rei­chen­de Sank­tio­nen. Die­se be­inhal­te­ten Rei­se­be­schrän­kun­gen für die As­sad-Fa­mi­lie und sy­ri­sche Of­fi­zi­el­le, das Ein­frie­ren ih­rer Bank­kon­ten und –ver­mö­gen, ein Em­bar­go ge­gen­über dem Kauf sy­ri­schen Öls und die Schwä­chung der sy­ri­schen Cy­ber-Fä­hig­kei­ten. Die EU hat vor kur­zem ei­ne Lis­te von 14 Pro­duk­ten auf­ge­stellt, wel­che nicht an Sy­ri­en ver­kauft wer­den dürf­ten. Die­se schlie­ßt Lu­xus­gü­ter ein und In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie, wel­che für die in­ter­ne Re­pres­si­on ge­eig­net ist. Eben­so wur­de das Land teil­wei­se di­plo­ma­tisch iso­liert..

Es soll er­wähnt sein, dass die­se Sank­tio­nen nicht die vol­le Un­ter­stüt­zung der sy­ri­schen Op­po­si­ti­on fan­den. Die­je­ni­gen, wel­che an der Not­wen­dig­keit von Sank­tio­nen und ih­rer Ef­fek­ti­vi­tät zwei­feln, be­haup­ten, die­se scha­de­ten der Re­vo­lu­ti­on selbst. Das Re­gime kann sich um sich selbst küm­mern. Es hat ei­ne lang­jäh­ri­ge Er­fah­rung mit Schmugg­ler­netz­wer­ken, ganz zu schwei­gen von der Tat­sa­che, dass so­wohl der Li­ba­non als auch der Irak ge­gen die ara­bi­schen Sank­tio­nen ge­stimmt hat­ten, wäh­rend Jor­da­ni­en sich ent­hielt. Auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne fah­ren Russ­land, Chi­na und der Iran da­mit fort, dem Re­gime ma­te­ri­el­le, tech­no­lo­gi­sche und mi­li­tä­ri­sche Un­ter­stüt­zung zu­kom­men zu las­sen. (1)

Für Be­für­wor­ter von Sank­tio­nen bleibt wäh­rend­des­sen zu hof­fen, dass die Maß­nah­men doch in der La­ge sein wer­den, das Re­gime in den Schwitz­kas­ten zu neh­men, was da­zu füh­ren wür­de, dass es sei­ne an­ti-re­vo­lu­tio­nä­ren Ope­ra­tio­nen nicht mehr fi­nan­zie­ren könn­te, wäh­rend sy­ri­sche Ge­schäfts­leu­te da­zu ge­drängt wür­den, ih­re Un­ter­stüt­zung für das Re­gime auf­zu­ge­ben.
 
Ob­wohl es auf­grund der In­for­ma­ti­ons­sper­re des Re­gimes na­he­zu kei­ne Wirt­schaft­da­ten gibt, gibt es ei­ni­ge Hin­wei­se, die uns ei­nen Ein­druck da­von ge­ben, wie schwie­rig die La­ge und wie tief die Kri­se in Sy­ri­en ist. Am of­fen­sicht­lichs­ten und wohl am be­deu­tends­ten sind die Zah­len des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds. Sie zei­gen, dass das Sy­ri­sche Pfund seit Aus­bruch der Re­vo­lu­ti­on auf 45% des Wer­tes bei Aus­bruch der Re­vo­lu­ti­on ge­fal­len ist. (2) Gro­ße Sum­men wur­den von pri­va­ten Bank­kon­ten ab­ge­zo­gen und die Kos­ten der Gü­ter des täg­li­chen Be­darfs ha­ben nie da­ge­we­se­ne Hö­hen er­reicht. Es ist klar, dass sich Sy­ri­en mitt­ler­wei­le gra­vie­ren­den öko­no­mi­schen Pro­ble­men aus­ge­setzt sieht.

Den­noch soll­ten wir im Kopf be­hal­ten, dass vie­le Sy­rer wirt­schaft­li­che Sank­tio­nen an sich als un­wirk­sam dar­in be­trach­ten, das Re­gime zu Zu­ge­ständ­nis­sen zu zwin­gen oder gar sei­nen Sturz her­bei­zu­füh­ren. Um ei­ne Lö­sung der Kri­se zu er­rei­chen, müs­sen die­se Sank­tio­nen mit ernst­haf­tem in­ter­na­tio­na­lem Druck ein­her­ge­hen.


3. Die Re­s­pon­si­bi­li­ty to Pro­tect

Die ge­gen­wär­ti­ge Kri­se in Sy­ri­en ist ein per­fek­tes Fall­bei­spiel da­für, wie das Prin­zip der Schutz­ver­ant­wor­tung (Re­s­pon­si­bi­li­ty to Pro­tect; R2P) für die Recht­fer­ti­gung in­ter­na­tio­na­ler In­ter­ven­ti­on ge­braucht wer­den könn­te.(3)
Das sy­ri­sche Re­gime, wel­ches fort­lau­fend Ge­walt­ak­te ge­gen sei­ne schutz­lo­se und iso­lier­te Zi­vil­be­völ­ke­rung aus­führt, hat sei­ne Pflicht zum Schut­ze sei­ner Bür­ger grund­lie­gend igno­riert.  Zwi­schen dem Aus­bruch der Re­vo­lu­ti­on im März 2011 und dem 12. Mai 2012 ha­ben sy­ri­sche Si­cher­heits­kräf­te min­des­tens 12.782 Per­so­nen ge­tö­tet und wei­te­re 24.319 fest­ge­nom­men (Zah­len des Cent­re for the Do­cu­men­ta­ti­on of Hu­man Rights Vio­la­ti­ons in Sy­ria (4). Re­gie­rungs­trup­pen be­schos­sen dicht be­völ­ker­te Wohn­ge­bie­te mit Ar­til­le­rie­feu­er, setz­ten Scharf­schüt­zen und Kampf­hub­schrau­ber ge­gen­über Zi­vi­lis­ten ein und fol­ter­ten ver­wun­de­te De­mons­tran­ten in Kran­ken­häu­sern.

Die­se Über­grif­fe sind Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit, de­fi­niert durch das Rom-Sta­tut des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs. Das sy­ri­sche Re­gime hat dar­in ver­sagt, sei­ne Pflicht zum Schut­ze sei­ner Zi­vil­be­völ­ke­rung wahr­zu­neh­men, wes­halb die­se Ver­ant­wor­tung nun an die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft über­geht.(5)

Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft zö­gert je­doch aus fol­gen­den Grün­den nach wie vor, ih­re Ver­ant­wor­tung zu ak­zep­tie­ren:

  1. Sor­ge über die post-re­vo­lu­tio­nä­re Re­gie­rungs­form. Dies schlie­ßt die Angst vor po­ten­ti­el­ler in­ne­rer und re­gio­na­ler In­sta­bi­li­tät mit ein, so­wie dass die neue Re­gie­rung von Is­la­mis­ten do­mi­niert sein könn­te, wie es in an­de­ren post-re­vo­lu­tio­nä­ren ara­bi­schen Staa­ten ge­sche­hen ist. Dies wird durch die in­ter­nen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in­ner­halb der sy­ri­schen Op­po­si­ti­on ver­schärft, wel­che sie da­von ab­hal­ten, ei­nen „Fahr­plan“ aus­zu­ar­bei­ten, wel­cher die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft und je­ne Sy­rer be­ru­hi­gen wür­de, die aus Furcht vor ei­ner un­si­che­ren Zu­kunft der Re­vo­lu­ti­on nicht ih­re Un­ter­stüt­zung aus­ge­spro­chen ha­ben.
  2. Erfahrun­gen mit mi­li­tä­ri­schen In­ter­ven­tio­nen in an­de­ren Län­dern in der Ver­gan­gen­heit: Die an­hal­ten­de In­sta­bi­li­tät in Li­by­en und die Un­fä­hig­keit des li­by­schen Staa­tes, sei­ne Au­to­ri­tät durch­zu­set­zen und die Be­völ­ke­rung zu ent­waff­nen. Das li­by­sche Mo­dell dient als wir­kungs­vol­le Ab­schre­ckung ge­gen­über je­der Form ei­ner di­rek­ten mi­li­tä­ri­schen In­ter­ven­ti­on, be­son­ders für vie­le in Eu­ro­pa.
  3. Zwei­fel an der Ef­fek­ti­vi­tät ei­ner in­di­rek­ten mi­li­tä­ri­schen In­ter­ven­ti­on (6), an­ge­sichts des Um­stands, dass die Op­po­si­ti­on über kei­ne zen­tra­li­sier­te mi­li­tä­ri­sche Streit­kraft ver­fügt. Es gibt eben­falls Sor­gen über die Kon­se­quen­zen ei­ner Be­waff­nung ex­tre­mis­ti­scher is­la­mis­ti­scher Grup­pen, die jüngst in Sy­ri­en auf­ge­taucht sind. 
  4. Ei­ne Prä­fe­renz für ei­ne Tran­si­ti­on ge­gen­über ei­nem Um­sturz durch ei­nen Ent­schei­dungs­schlag: Ein gra­du­el­ler Pro­zess wür­de an­de­ren Staa­ten Zeit ge­ben, um ih­re In­ter­es­sen in der Re­gi­on an­zu­pas­sen und zu be­schüt­zen.
  5. Israeli­sche In­ter­es­sen und Is­ra­els Ein­fluss auf die ame­ri­ka­ni­schen In­ter­es­sen. Aus is­rae­li­scher Per­spek­ti­ve ist die Prio­ri­tät nicht, Men­schen zu schüt­zen, son­dern viel­mehr, die Aus­wir­kun­gen ei­nes Re­gime­wech­sels auf die is­rae­li­sche Si­cher­heit zu mi­ni­mie­ren. 
  6. Innenpo­li­ti­sche Be­den­ken: Der ame­ri­ka­ni­sche Un­wil­le, bei den For­de­run­gen nach ei­nem En­de der Ge­walt die Füh­rung zu über­neh­men, liegt in gro­ßen Tei­len in den an­ste­hen­den Prä­si­dent­schafts­wah­len be­grün­det. Oba­ma strebt nach ei­ner zwei­ten Amts­zeit und kann kei­ne Kom­pli­ka­tio­nen durch ei­ne Aus­deh­nung ame­ri­ka­ni­schen En­ga­ge­ments auf Sy­ri­en ge­brau­chen. 
  7. Wirtschaft­li­che Grün­de: Die Wirt­schafts­kri­se in der EU und den USA und ihr Ein­fluss auf die Be­reit­schaft der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft, die Rech­nung für ei­ne mi­li­tä­ri­sche In­ter­ven­ti­on in Sy­ri­en zu zah­len.
  8. Al­lei­ni­ger Fo­kus auf ei­ne mi­li­tä­ri­sche In­ter­ven­ti­on: Der Fo­kus der sy­ri­schen Op­po­si­ti­on und der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft auf ei­ne mi­li­tä­ri­sche In­ter­ven­ti­on, wel­che in der ge­gen­wär­ti­gen Si­tua­ti­on nicht wün­schens­wert ist, hält sie da­von ab, an­de­re For­men der Ein­fluss­nah­me aus­zu­lo­ten.

Auch wenn dies al­les rich­tig ist, ent­schul­digt es nicht den Wi­der­wil­len der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft, ih­re Ver­ant­wor­tung ge­gen­über dem sy­ri­schen Volk wahr­zu­neh­men. Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft ist mehr als fä­hig, ih­re Vor­be­hal­te zu über­win­den, wenn sie ei­ne ech­te Ge­fähr­dung ih­rer ei­ge­nen Si­cher­heit oder In­ter­es­sen emp­fin­det. In Li­by­en bei­spiels­wei­se traf die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft die Ent­schei­dung, mi­li­tä­risch zu in­ter­ve­nie­ren, ver­gleichs­wei­se schnell, un­ge­ach­tet der Ein­wän­de von Russ­land und Chi­na. Je­doch scheint sie un­fä­hig zu sein, ei­ne UN-Si­cher­heits­rats­re­so­lu­ti­on zu ver­ab­schie­den. Dies liegt dar­an, dass die­se ei­ne di­rek­te Be­dro­hung der In­ter­es­sen be­stimm­ter Staa­ten dar­stellt, wäh­rend sie für an­de­re ei­ne Ge­le­gen­heit bie­ten wür­de.


4. Die sy­ri­sche Re­vo­lu­ti­on

Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft neigt da­zu, ihr Ver­sa­gen zu recht­fer­ti­gen, in­dem sie auf dar­auf ver­weist, dass die Op­po­si­ti­on nicht ge­eint ist, es an ei­ner mach­ba­ren po­li­ti­schen Al­ter­na­ti­ve zum As­sad-Re­gime fehlt und sich auf das rus­si­sche und chi­ne­si­sche Ve­to im UN-Si­cher­heits­rat be­ruft. Die De­bat­te über die Sy­ri­en­kri­se wird stets durch sol­che De­tails über­la­gert, ob­wohl sie ei­gent­lich auf das aus­ge­rich­tet sein soll­te, was die sy­ri­sche Be­völ­ke­rung er­lebt, wel­che tag­täg­lich dem Tod ins Au­ge blickt, weil sie grund­le­gen­de Frei­heits­rech­te, Ge­rech­tig­keit und Gleich­be­rech­ti­gung ein­for­dert. 

Ob­wohl das das We­sent­li­che in die­ser An­ge­le­gen­heit sein soll­te, igno­rie­ren in­ter­na­tio­na­le Ak­teu­re dies meist. Sie kon­zen­trie­ren sich lie­ber auf ih­re Ängs­te, was zu­meist den Ver­gleich von Sy­ri­en mit an­de­ren ara­bi­schen Staa­ten wie Li­by­en und Irak ein­schlie­ßt. Sie äu­ßern sich be­sorgt über die Wahr­schein­lich­keit ei­nes Bür­ger­kriegs und üben sich in Kas­san­dra­r­u­fen und Ana­ly­sen, wel­che zu­meist auf igno­rie­ren, was sich be­reits jetzt in Sy­ri­en er­eig­net. Die­se Ängs­te wer­den wei­ter ge­stei­gert durch die zu­neh­men­de Ten­denz west­li­cher und ara­bi­scher Me­di­en, die Re­vo­lu­ti­on als sek­tie­re­risch und sala­fis­tisch zu por­trä­tie­ren.

Den­noch re­sul­tie­ren die­se po­li­ti­schen Kom­ple­xi­tä­ten und be­sorg­nis­er­re­gen­den Vor­her­sa­gen über die Zu­kunft des Lan­des grö­ß­ten­teils aus zu­neh­men­den re­pres­si­ven Ak­tio­nen und ex­zes­si­ven Ge­walt­an­wen­dung des Re­gimes so­wie zum an­de­ren aus dem Un­wil­lens der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft, die Re­vo­lu­ti­on und ih­re le­gi­ti­men For­de­run­gen zu un­ter­stüt­zen. Selbst­ver­ständ­lich hat auch die tra­di­tio­nel­le sy­ri­sche Op­po­si­ti­on eben­falls ei­ni­ge Ver­ant­wor­tung zu tra­gen, denn zeigt sich sich der La­ge nicht ge­wach­sen . Es wä­re an ih­rer Stel­le not­wen­dig, sich zu ver­ei­nen, um den in­ter­na­tio­na­len Be­mü­hun­gen dem sy­ri­schen Volk zu hel­fen ei­nen kla­ren An­knüpf­punkt zu bie­ten. Sie ist dar­in ge­schei­tert, ei­nen über­zeu­gen­den Dis­kurs oder ei­ne kla­re Mar­scho­rou­te für ei­ne post-As­sad Macht­ver­tei­lung her­zu­stel­len.

Die an­hal­ten­de Ge­walt des Re­gimes ge­gen die ei­ge­ne Be­völ­ke­rung und die Schwä­che und Re­form­un­fä­hig­keit der tra­di­tio­nel­len Op­po­si­ti­on führ­ten da­zu, dass sich vie­le Sy­rer iso­liert und von der ara­bi­schen und in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft ih­rem Schick­sal über­las­sen füh­len.(7)
Dies führt zwangs­läu­fig da­zu, dass man­che Sy­ri­er sich da­für ent­schei­den, Waf­fen ge­gen das Re­gime zu rich­ten. Den­noch glau­ben die Sy­rer nach wie vor, dass Waf­fen al­lei­ne nicht As­sads Sturz brin­gen wer­den und füh­ren ih­re ge­walt­frei­en De­mons­tra­tio­nen fort.
 
Die Is­la­mi­sie­rung der Re­vo­lu­ti­on kann man in­des am bes­ten als ei­ne Pha­se be­grei­fen. Die gro­ße Mehr­heit der Sy­rer sind sun­ni­ti­sche Mus­li­me, de­ren Re­li­gio­si­tät kon­ven­tio­nell, tra­di­tio­nell und apo­li­tisch ist. Mit an­de­ren Wor­ten: mo­derat, auf­ge­schlos­sen und to­le­rant ge­gen­über eth­ni­scher, re­li­giö­ser und kon­fes­sio­nel­ler Di­ver­si­tät. Kon­fes­sio­nel­le Viel­fäl­tig­keit war be­reits seit Jahr­hun­der­ten ein Teil Sy­ri­ens und blieb auch von po­li­ti­schem, wirt­schaft­li­chem und kul­tu­rel­lem Wan­del un­be­rührt. Im Ge­gen­satz zu sei­nen ei­ge­nen Be­kun­dun­gen, ist As­sad nicht der Schutz­herr der Min­der­hei­ten; viel eher ist dies das sy­ri­sche Volk selbst.

Die dschi­ha­dis­tisch-sala­fis­ti­sche Be­we­gung, wel­che im Zu­ge der US-Be­sat­zung des Iraks ans Licht ge­tre­ten ist, ist grö­ß­ten­teils selbst ein Pro­dukt des As­sad Re­gimes. Die Si­cher­heits­kräf­te ha­ben die­se Grup­pie­run­gen durch­drun­gen und be­nut­zen sie, um Druck auf die US-Be­sat­zung, oder, nach dem sy­ri­schen Rück­zug aus dem Li­ba­non, im pa­läs­ti­ni­schen Flücht­lings­la­ger Nahr al-Ba­red aus­zu­üben. Es ist be­zeich­nend, dass vor Ay­man al-Za­wa­he­ris Un­ter­stüt­zungs­er­klä­rung für die sy­ri­sche Re­vo­lu­ti­on kei­ne dschi­ha­dis­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on, ein­schlie­ß­lich Al-Qai­da, ver­kün­det hat­te, dass sie Ope­ra­tio­nen ge­gen das sy­ri­sche Re­gime durch­füh­ren wür­de, noch die­ses ver­ur­teilt hät­te.

Un­ge­ach­tet des Wachs­tums von Grup­pie­run­gen wie al-An­sar und al-Nour (8), be­steht die ech­te Ge­fahr nicht dar­in, dass der Sala­fis­mus sich in ei­nem post-re­vo­lu­tio­nä­ren Sy­ri­en durch­setzt (es ist wahr­schein­li­cher, dass die dschi­ha­dis­ti­sche Be­we­gung nach dem Fall des Re­gimes, das sie auf­ge­zo­gen und ver­sorgt hat in der Un­be­deu­tend­heit ver­schwin­det). Viel ge­fähr­li­cher in die­ser Hin­sicht ist, dass die Re­vo­lu­ti­on schei­tern könn­te, bzw. dass sich die ge­gen­wär­ti­ge Si­tua­ti­on oh­ne Aus­sicht auf ein En­de der Ge­walt fort­setzt. Der Grund hier­für ist, dass die­se ex­tre­mis­ti­schen Grup­pen mit der Zeit an Stär­ke ge­win­nen. Zeit er­laubt ih­nen, sich aus­zu­brei­ten und die Ge­sell­schaft zu durch­drin­gen. Um die fried­li­che Na­tur der Re­vo­lu­ti­on zu be­wah­ren und die Zu­kunft des Lan­des und der Re­gi­on zu si­chern, muss die Kri­se so schnell wie mög­lich ge­löst wer­den.

Die Un­ent­schlos­sen­heit der west­li­chen Mäch­te auf­grund ih­rer Angst, dass sala­fis­ti­sche und is­la­mis­ti­sche Dschi­ha­dis­ten in Sy­ri­en an Bo­den ge­win­nen, hat sie da­von ab­ge­hal­ten, die Re­vo­lu­ti­on tie­fer­ge­hend zu un­ter­stüt­zen. Je­doch ist es iro­ni­scher­wei­se ge­nau die­se Un­ent­schlos­sen­heit, die die idea­len Be­din­gun­gen für ei­nen dschi­ha­dis­tisch ge­präg­ten Auf­stand her­vor­bringt. Dschi­ha­dis­ten fül­len die Lü­cke, wel­che durch den Man­gel an in­ter­na­tio­na­ler Ak­ti­on ge­gen­über der an­hal­ten­den bru­ta­len Ge­walt des Re­gimes ent­stan­den ist.


5. Fa­zit

Je­de Be­trach­tung der sy­ri­schen Re­vo­lu­ti­on muss sich zu­al­ler­erst dar­auf rich­ten, was in Sy­ri­en tat­säch­lich pas­siert: ein Volk ver­langt die grund­le­gen­den Rech­te auf Frei­heit, Ge­rech­tig­keit und Gleich­be­rech­ti­gung ge­gen­über ei­nem Re­gime, wel­ches ent­schlos­sen ist, sich an die Macht zu klam­mern, kos­te es was es wol­le; ein Volk wel­ches vor ei­nem Re­gime ge­schützt wer­den muss, das jeg­li­che Ver­ant­wor­tung fal­len ge­las­sen hat und ent­schlos­sen ist, sei­ne Be­völ­ke­rung mit al­len ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den bar­ba­ri­schen Mit­teln zu un­ter­drü­cken.

Pflicht und Mo­ral ge­bie­ten, dass die ara­bi­sche und die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft un­ver­züg­lich und ef­fek­tiv un­ter dem Prin­zip der Schutz­ver­ant­wor­tung ein­grei­fen, um die Ge­walt zu stop­pen. Eben­so ha­ben sie ein rea­les In­ter­es­se an ei­ner schnel­len Lö­sung der Kri­se. Die ex­zes­si­ve Ge­walt­an­wen­dung wäh­rend gleich­zei­tig ei­ne um­setz­ba­re po­li­ti­schen Lö­sung fehlt, und das Ge­fühl der Men­schen, dass sie beim Kampf ge­gen ei­ne staats­ge­stütz­te Mord­ma­schi­ne auf sich al­lein ge­stellt sind, kre­iert die per­fek­te Um­ge­bung für die Aus­brei­tung ei­ner ge­walt­tä­ti­gen Ge­gen­be­we­gung, de­ren Aus­wir­kun­gen auch au­ßer­halb der Gren­zen Sy­ri­ens zu spü­ren sein wer­den. Die Si­tua­ti­on im Li­ba­non ist hier­für ei­ne er­nüch­tern­de Mah­nung.

Es ist folg­lich an­ge­mes­sen dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das Ver­sa­gen der in­ter­na­tio­na­len und re­gio­na­len Mäch­te dem sy­ri­schen Volk be­deut­sa­me Un­ter­stüt­zung zu­kom­men zu las­sen, vom Wi­der­wil­len her­rührt, ir­gend­ei­ne Form mi­li­tä­ri­scher In­ter­ven­ti­on, di­rekt oder in­di­rekt, auf die Bei­ne zu stel­len. Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft ver­steht nicht, dass ei­ne mi­li­tä­ri­sche In­ter­ven­ti­on nicht die ein­zi­ge Lö­sung ist und ver­säumt des­halb an­de­re We­ge, wie ei­ne z.B., den s Fall an den In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof zu über­wei­sen, zu er­kun­den.

 
Un­ten an­ge­führt sind ei­ni­ge al­ter­na­ti­ve Op­tio­nen die den in­ter­na­tio­na­len Ak­teu­ren zur Ver­fü­gung ste­hen:

  1. Druck auf das Re­gime und sei­ne Al­li­ier­ten aus­üben, da­mit die­ses den Ko­fi-An­n­an-Plan voll­stän­dig im­ple­men­tiert.
  2. Das sy­ri­sche Re­gime hat sich bis­lang auf­grund sei­ner re­gio­na­len Al­li­ier­ten in hal­ten kön­nen. Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft kann da­bei hel­fen, die Kri­se zu lö­sen, in dem es re­gio­na­le Bünd­nis­se mit dem Re­gime kappt und Druck auf Russ­land, Chi­na und Iran aus­übt, die Lie­fe­rung von mi­li­tä­ri­scher, ma­te­ri­el­ler und tech­no­lo­gi­scher Hil­fe ein­zu­stel­len, wel­che es As­sad er­mög­licht, sei­nen Krieg ge­gen die Be­völ­ke­rung durch­zu­füh­ren. 
  3. ​Druck auf Nach­bar­staa­ten (Irak, Li­ba­non und Jor­da­ni­en) aus­üben, da­mit die­se sich den Sank­tio­nen an­schlie­ßen, um so de­ren Ef­fek­ti­vi­tät zu stei­gern und die Le­bens­dau­er des Re­gimes zu ver­kür­zen.  
  4. Interna­tio­na­le und ara­bi­sche Ak­teu­re da­zu zu er­mu­ti­gen, zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, um die voll­stän­di­ge po­li­ti­sche Iso­la­ti­on des Re­gimes si­cher­zu­stel­len. 
  5. Dar­an zu ar­bei­ten, die An­zahl der in­ter­na­tio­na­len Be­ob­ach­ter und Peace­kee­per zu er­hö­hen, um der Ge­walt ein En­de zu be­rei­ten und das Recht der Sy­rer zu schüt­zen, sich an fried­li­chen De­mons­tra­tio­nen zum Stur­ze des Re­gimes zu be­tei­li­gen. (9)
  6. Druck auf die tra­di­tio­nel­le po­li­ti­sche Op­po­si­ti­on und ih­re re­gio­na­len Un­ter­stüt­zer aus­üben, end­lich zu­sam­men­zu­ar­bei­ten und ei­ne kla­re Vi­si­on für ein post-As­sad Sy­ri­en zu ent­wer­fen. Die­se muss ei­nen Plan mit prak­ti­schen Schrit­ten ent­hal­ten, um Sy­ri­ens Wan­del hin zu ei­nem exis­tenz­fä­hi­gen zi­vi­len und de­mo­kra­ti­schen Staat, der die Rech­te und Frei­hei­ten all sei­ner Bür­ger schützt zu ga­ran­tie­ren. Dies wird den­je­ni­gen Si­cher­heit ge­ben, die Zwei­fel an den Zie­len der Re­vo­lu­ti­on he­gen und die über die Le­bens­per­spek­ti­ven nach As­sad be­un­ru­higt sind.
  7. Al­le le­gi­ti­men Mit­tel an­wen­den die zur Ver­fü­gung ste­hen, um den Sy­rern zu hel­fen, das Re­gime selbst zu stür­zen. 
  8. Die sy­ri­schen Flücht­lin­ge im Aus­land un­ter­stüt­zen und si­cher­stel­len, dass ih­nen ein wür­di­ges Le­ben und die Er­fül­lung ih­rer Grund­be­dürf­nis­se zu­teil­wird. Die­se Flücht­lin­ge vor Zwangs­rück­füh­rung zu schüt­zen, was in der der­zei­ti­gen La­ge ihr Le­ben in Ge­fahr brin­gen könn­te.
  9. Der Op­po­si­ti­on hel­fen ei­ne mi­li­tä­ri­sche Or­ga­ni­sa­ti­on auf­zu­bau­en, um so den Ein­fluss ex­tre­mis­ti­scher Grup­pen zu re­du­zie­ren, für wel­che das ge­gen­wär­ti­ge Sy­ri­en ei­ne idea­le Um­ge­bung dar­stellt. Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft soll­te die „Freie Sy­ri­sche Ar­mee“ an­er­ken­nen und sie dar­in un­ter­stüt­zen, sich po­li­tisch und in­tel­lek­tu­ell zu or­ga­ni­sie­ren, die Prin­zi­pi­en der Selbst­ver­tei­di­gung und Bür­ger­ver­tei­di­gung, für wel­che die­se ur­sprüng­lich ge­schaf­fen wur­de, zu klä­ren und sie so hof­fent­lich in ein Boll­werk ge­gen die zu­neh­mend ein­fluss­rei­chen sala­fis­ti­schen Kampf­grup­pen trans­for­mie­ren.
  10. Den Auf­bau sy­ri­scher, ara­bi­scher und in­ter­na­tio­na­ler “Wahr­heits- und Ver­söh­nungs­kom­mis­sio­nen“ mit der Auf­ga­be, Be­wei­se für die Ver­ur­tei­lung für Kriegs­ver­bre­chen und Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit zu sam­meln. Die Tä­ter müs­sen das Ge­fühl be­kom­men, dass sie die Kon­se­quen­zen für ih­re Hand­lun­gen tra­gen wer­den müs­sen: nichts an­de­res wird sie da­von über­zeu­gen, da­von ab­zu­las­sen. 
  11. Staa­ten, wel­che zu den Un­ter­stüt­zern von Sank­tio­nen ge­gen das Re­gime zäh­len, müs­sen ei­nen kla­ren Fahr­plan ent­wer­fen, wie nach dem Fall des Re­gimes die­se Straf­maß­nah­men wie­der auf­ge­ho­ben und die sy­ri­sche Wirt­schaft zu ih­rer vol­len Stär­ke zu­rück­keh­ren kann. Dies wür­de den sy­ri­schen Ge­schäfts­leu­ten, wel­che ge­gen­wär­tig das Re­gime stüt­zen, ver­si­chern, dass die sy­ri­sche Wirt­schaft nicht den Weg der Volks­wirt­schaf­ten in Irak und Li­ba­non ge­hen wird, und dass das En­de des Re­gimes auch in ih­rem In­ter­es­se ist. 


__________________________________________________________


(1) “The Fi­nan­ci­al Ti­mes: Iran helps Sy­ria to over­co­me oil sanc­tions.” BBC Ara­bic Web­site, 18. Mai 2012

(2) Ibra­him Seif, “Sy­rian eco­no­my on the brink.” 22. Mai, 2012. Car­ne­gie En­dow­ment for In­ter­na­tio­nal Peace

(3) Die Schutz­ver­ant­wor­tung ist ein Prin­zip, wel­ches die UN-Ge­ne­ral­ver­samm­lung 2005 im Kon­text der Er­eig­nis­se im ehe­ma­li­gen Ju­go­sla­wi­en, Ru­an­da, Kon­go, So­ma­lia, Ko­so­vo und an­dern­orts, an­ge­nom­men hat.  Es ver­knüpft die Sou­ve­rä­ni­tät ei­nes Staa­tes mit des­sen Ver­ant­wor­tung zum Schut­ze der ei­ge­nen Be­völ­ke­rung.

(4) Cen­ter for do­cu­men­ta­ti­on of vio­la­ti­ons in Sy­ria

(5) Falls ein Staat ein­deu­tig dar­in ver­sagt, sei­ne Bür­ger zu schüt­zen, geht die Ver­ant­wor­tung auf die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft über, zeit­nah und ent­schlos­sen mit fried­li­chen oder mi­li­tä­ri­schen Mit­teln nach Ka­pi­tel 6, 7 und 8 der Char­ta der Ver­ein­ten Na­tio­nen zu re­agie­ren. Dies be­inhal­tet Sank­tio­nen, die Über­wei­sung an den In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof und ei­ne mi­li­tä­ri­sche In­ter­ven­ti­on.

(6) D.h. mi­li­tä­ri­sche und tech­ni­sche Un­ter­stüt­zung der be­waff­ne­ten Op­po­si­ti­on.

(7) Der Slo­gan “Ya Al­lah, ma il­na ghay­rak, ya Al­lah” (Oh Gott, wir ha­ben nie­man­den au­ßer Dir, oh Gott) der im Som­mer 2011, we­ni­ge Mo­na­te nach Be­ginn der Re­vo­lu­ti­on auf­tauch­te, deu­tet auf das zu­neh­men­de Ge­fühl vie­ler Sy­ri­er von ei­ner tie­fen Iso­la­ti­on und feh­len­der Un­ter­stüt­zung hin.

(8) Bei­des sind Grup­pie­run­gen be­waff­ne­ter is­la­mis­ti­schen Dschi­ha­dis­ten, wel­che von sich be­haup­ten, in Sy­ri­en zu ope­rie­ren.

(9) Wie zum Bei­spiel strei­ken zu kön­nen, oh­ne dass die Si­cher­heits­trup­pen oder die shabi­ha in Ge­schäf­te ein­bre­chen und die­se plün­dern.



News

Po­li­cy Brief 6/2013: Der In­ter­na­tio­na­le Waf­fen­han­dels­ver­trag als Prä­ven­ti­ons­in­stru­ment der Schutz­ver­ant­wor­tung Le­na Kie­se­wet­ter, 03.06.2013Der am 2. April 2013 von der...
[mehr...]

Eu­ro­pas mo­ra­li­sche Ver­ant­wor­tungDer Be­richt der Task Force on the EU Preven­ti­on of Mass Atro­ci­ties und sei­ne Im­pli­ka­tio­nen für die deut­sche Po­li­tik Gre­gor Hof­mann,...
[mehr...]

Deut­sche Wel­le.​de über Sy­ri­en, die Schutz­ver­ant­wor­tung und die An­sich­ten von Ro­bert Schüt­te, Vor­sit­zen­dem von Ge­no­ci­de Alert Im An­schluss an die...
[mehr...]

"Af­gha­nis­tan, Li­by­en, Sy­ri­en, Ma­li: Wann soll die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft zum Schutz der Be­völ­ke­rung ein­grei­fen - Wenn über­haupt?" Un­ter die­sem pro­vo­kan­ten Ti­tel...
[mehr...]

Facts­heetMög­lich­kei­ten von RtoP-Ein­sät­zen durch Deutsch­land un­ter­halb der Schwel­le mi­li­tä­ri­schen Ein­grei­fensvon Chris­toph Schlim­pert, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der...
[mehr...]