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Die CDU/CSU und die Schutz­ver­ant­wor­tung

 

 

 

Grund­satz­pro­gramm und Wahl­pro­gramm

 

CDU und CSU ha­ben bis­her kei­ne ex­pli­zi­te of­fi­zi­el­le Stel­lung­nah­me zur Schutz­ver­ant­wor­tung for­mu­liert. So­wohl das Grund­satz­pro­gramm der CDU als auch das der CSU (bei­de 2007 ver­ab­schie­det) er­wäh­nen we­der die Schutz­ver­ant­wor­tung noch die Wich­tig­keit der Ver­hin­de­rung von Mas­sen­ver­bre­chen wie Ge­no­zid und Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit. Das Grund­satz­pro­gramm der CDU be­tont, dass "Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten (…) in al­ler Welt ge­gen­über dem Sou­ve­rä­ni­täts­prin­zip Vor­rang ha­ben" müs­sen, was als in­di­rek­ter Ver­weis auf ei­ne Un­ter­stüt­zung der Schutz­ver­ant­wor­tung ver­stan­den wer­den kann. Eben­so spricht sich die CSU in ih­rem Grund­satz­pro­gramm "für ei­ne be­hut­sa­me, zeit­ge­mä­ße Wei­ter­ent­wick­lung des Völ­ker­rechts aus, um neu­en Ge­fäKhr­dungs­la­gen be­geg­nen zu kön­nen" und be­tont, dass "die neu­en Be­dro­hun­gen […] ein neu­es Ver­ständ­nis vom vor­beu­gen­den Ein­satz mi­li­tä­ri­scher Ge­walt“ be­din­gen, wo­bei die­se “im­mer nur letz­tes Mit­tel blei­ben [darf], wenn al­le an­de­ren Mög­lich­kei­ten ver­sagt ha­ben."  

 

Das Re­gie­rungs­pro­gramm von CDU/CSU von 2009 macht nur ei­ne all­ge­mei­ne Aus­sa­ge, dass Men­schen­rech­te wich­tig und zu schüt­zen sind. We­der die Schutz­ver­ant­wor­tung, noch in­ter­na­tio­na­le Straf­ge­richts­bar­keit wer­den di­rekt er­wähnt.  

 

Die Frak­ti­on

 

Die "Si­cher­heits­stra­te­gie für Deutsch­land" der CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­ti­on, die im Jahr 2008 deut­sche In­ter­es­sen im Rah­men ei­ner eu­ro­päi­schen Si­cher­heits­stra­te­gie dar­le­gen soll­te, be­zieht sich in kei­ner Wei­se auf die Schutz­ver­ant­wor­tung der Bun­des­re­pu­blik. Seit 2005 hat sich die CDU/CSU Frak­ti­on je­doch an zwei An­trä­gen im Bun­des­tag be­tei­ligt, die di­rek­ten Be­zug auf die Schutz­ver­ant­wor­tung neh­men: In ei­nem An­trag vom 3. De­zem­ber 2008 zur All­ge­mei­nen Er­klä­rung der Men­schen­rech­te, for­der­te auch die CDU/CSU die Bun­des­re­gie­rung auf, "ak­tiv im Rah­men der Ver­ein­ten Na­tio­nen an der Aus­ge­stal­tung des Kon­zep­tes der Schutz­ver­ant­wor­tung von Staa­ten mit­zu­wir­ken" und "wei­ter­hin durch Kri­sen­prä­ven­ti­on und Frie­dens­kon­so­li­die­rung Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zu ver­mei­den hel­fen und die­sen An­satz aus­zu­bau­en." In ei­nem, eben­so von al­len Par­tei­en au­ßer der Lin­ken un­ter­stütz­tem An­trag vom 24. März 2010 zur Vor­be­rei­tung der Wah­len im Su­dan un­ter­stüt­ze die CDU/CSU Frak­ti­on die Aus­sa­ge, dass "die Lö­sung der Su­dan-Kri­se für Deutsch­land und die EU (…) ei­ne gro­ße in­ter­na­tio­na­le Her­aus­for­de­rung [ist], die ei­ne wirk­sa­me, kri­sen­prä­ven­ti­ve Po­li­tik und Schutz­ver­ant­wor­tung ge­gen­über den Men­schen im Su­dan er­for­dert."

 

Ein­zel­ne Ab­ge­ord­ne­te

 

Bei der Debatte zur Schutzverantwortung im Bundestag am 28.06.2012 sprachen Dr. Johann Wadephul für die CDU und Thomas Silberhorn für die CSU. Ro­de­rich Kie­se­wet­ter (CDU) be­merk­te in ei­ner Re­de am 14. April 2011 zum The­ma "Prüf­kri­te­ri­en für Aus­lands­ein­sät­ze der Bun­des­wehr", dass wenn die "Re­s­pon­si­bi­li­ty to Pro­tect" ein "ma­ß­geb­li­ches Kri­te­ri­um für die Be­tei­li­gung an Aus­lands­ein­sät­zen [wä­re], müss­ten wir tat­säch­lich über­all dort in­ter­ve­nie­ren, wo Men­schen­rech­te mas­siv ver­letzt wer­den."

 

Fa­zit

 

Die oben an­ge­führ­ten Punk­te zei­gen, dass sich CDU/CSU bis­her nur sehr ver­hal­ten ge­gen­über der Norm der Schutz­ver­ant­wor­tung po­si­tio­niert ha­ben. We­der im Grund­satz­pro­gramm noch im Wahl­pro­gramm wird die Schutz­ver­ant­wor­tung na­ment­lich er­wähnt. Soll­te dies auch in Zu­kunft so blei­ben, so wä­re dies be­son­ders im Kon­text der hu­ma­ni­tä­ren In­ter­ven­ti­on in Li­by­en so­wie den Ent­wick­lun­gen in Sy­ri­en ein für ei­ne Re­gie­rungs­par­tei un­be­frie­di­gen­der Zu­stand. An die­ser Stel­le ist noch viel Ent­wick­lungs- und Dis­kus­si­ons­po­ten­ti­al bei CDU/CSU vor­han­den. Ei­ne in­ten­si­ve­re Aus­ein­an­der­set­zung mit der Schutz­ver­ant­wor­tung ist nicht nur aber auch vor dem Hin­ter­grund der von CDU/CSU ver­folg­ten per­ma­nen­ten Mit­glied­schaft Deutsch­lands im UN Si­cher­heits­rat un­um­gäng­lich.

 

Links zu Bei­trä­gen von CDU/CSU Ab­ge­ord­ne­ten/der CDU Frak­ti­on

 

 

 

Wei­ter zur Po­si­tio­nie­rung der SPD zur Schutz­ver­ant­wor­tung. 

 

 (Stand: März 2013)



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